Tom Stall (Viggo Mortensen) führt mit seiner Familie ein unspektakuläres Leben in einem Kaff im amerikanischen Midwest; das ändert sich schlagartig, als eines Abends zwei Serienmörder seinen Diner überfallen. In der Not wird Tom zum Killer, mit professioneller Effizienz erledigt er die beiden Verbrecher. Nun ist es aus mit dem Familienfrieden: Nicht nur die Presse belagert die Familie des Helden, zwielichtige Kerle – wunderbar unheimlich: Ed Harris als halbblinder Gangster – , die in Tom einen berüchtigten Gangster zu erkennen meinen, erscheinen im Lokal und wollen mit ihm abrechnen.
Das Thema Schein und Sein hat David Cronenberg schon immer fasziniert, und auch in seinem neuesten Film geht es wieder um die Frage, ob die Wirklichkeit nicht doch anders ist, als die Oberfläche vermuten lässt. Ist Tom tatsächlich ein gnadenloser Verbrecher, oder gerät hier in bester Hitchcock-Tradition ein Unschuldiger in einen düsteren Albtraum? Dass der Film dabei erstaunlich harmlos daherkommt, ist natürlich Teil des Konzepts. Die charakteristische Horrorästhetik des Kanadiers ist fast vollständig der ländlichen Idylle gewichen; nur in einigen wenigen sehr blutigen Closeups wird deutlich, dass auch diese Welt alles andere als unschuldig ist.
In A History of Violence stecken viele interessante Geschichten: Etwa jene von der heilen Welt, die plötzlich mit brutaler Gewalt konfrontiert wird, oder das Drama von der Familie, in der auf einmal alle einander misstrauen. Doch wählt das Drehbuch die uninteressanteste Variante, nämlich die Geschichte vom Mann, der in Wirklichkeit ein ganz anderer ist. Wie schon bei seinem letzten Film Spider verbringt Cronenberg viel Zeit damit, ein Geheimnis zu inszenieren, das eigentlich keines ist, denn so ganz nehmen wir Mortensen den Familienvater ohnehin nie ab; beim Lord of the Rings-Star warten wir eigentlich immer darauf, dass er den Zweihänder auspackt, um seine Feinde Mores zu lehren. Und so wirkt der Film trotz vielen kleinen Glanzlichtern insgesamt erstaunlich langweilig und vorhersehbar.
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